Vergütungsregeln mit dem ZDF

Bisherige Verhandlungen sind stets gescheitert.

Wir denken, dass die bisherigen Strategien auf Maximalforderungen zu beharren, in den vergangenen Jahren gescheitert sind. Es kam keine Mindestregelung zustande, mit der Folge, dass es in den Honoraren nach unten keine Grenze gab. Resultat ist, dass Dok-Autoren/Regisseure in der Realität mit Total-Buy-Out-Gagen auf niedrigem Niveau abgespeist werden, die kaum für ein anständiges Auskommen gut sind. Deshalb haben wir uns entschieden nach langen Verhandlungen den ersten GEmeinsamen Vergütungsregeln zuzustimmen, um einen ersten Schritt in die richtige Richtung zu gehen.

Natürlich haben wir uns eine noch deutlichere Anhebung der Gagen gewünscht und auch der Umstand, dass sich das ZDF nicht auf ein Folgevergütungsmodell einlassen wollte, ist nicht in unserem Sinne. Doch zum aktuellen Zeitpunkt war nicht mehr herauszuholen. Und es gab wichtige Eckpunkte, für die es sich lohnte, endlich diese Vereinbarung abzuschließen.

Die wichtigsten Eckpunkte sind:

1. Die deutliche Anhebung der bisher bezahlten Gagen
In der Vergütungsregel wurden erstens eine Mindestgage vereinbart und zweitens eine jährliche Anhebung der Gage. Bis 2018, als in den nächsten drei Jahren, erbringt das fast 15 Prozent mehr Honorar. Außerdem werden Gagen regelmäßig an die Lohnentwicklung in der Branche angepasst, um eine Situation wie in den letzten Jahren zu verhindern. Nach eineinhalb Jahrzehnten Stillstand ist das für jeden von uns ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

2. Die Festlegung von Mindestgagen
Mindestgagen garantieren, dass keine Verträge unter diesen Beträgen abgeschlossen werden dürfen. Übrigens beträgt dieses Basis-Honorar dem Mittelwert der Gagen im ZDF-Tarifvertrag für freie Mitarbeiter. Diese allerdings sind Bruttogagen, unser Gagen hingegen sind Netto-Gagen und liegen somit de facto 7 Prozent höher als die heutigen mittleren Gagen beim ZDF.

3. Anerkennung eines Wiederholungshonorars
In der Vergütungsregel erkennt das ZDF indirekt an, dass die gesamte Dok-Regie-Gage wiederholungshonorar-fähig ist. Bisher galt das nur für feste freie Mitarbeiter des Sendern und dann auch nur für den Buch-Teil der Gage. Noch geht das Wiederholungshonorar zwar in der Pauschale des Korbmodells auf, ist aber benannt. Ein großer Erfolg!

4. Anerkennung einer Honorierung für die Online-Nutzung
Auch dieser Punkt ist ein wichtiger Schritt. Auch wenn die Honorierung ebenfalls in der Pauschalen des Korbmodells aufgeht, so steht es nun zum ersten Mal schwarz auf weiß in dem Vertrag für freie Autoren und Regisseure, dass eine Online-Nutzung (v.a. Mediathek) grundsätzlich nicht kostenlos ist, sondern honoriert werden muss.

 

Hier die wichtigsten Regelungen der Gemeinsamen Vergütungsregel Dokumentationen ZDF:


Die Dokumentationen werden in drei Kategorien eingeteilt:

Kategorie 1: Geringes bis mittleres Budget bis max. 150.000 €; Produktionslänge von 30 Minuten. In diese Kategorie fallen beispiels-
weise derzeit: 37 Grad, ZDF Zoom, planet e.

Kategorie 2: Mittleres Budget bis max. 250.000 €; Produktionslänge von 45 Minuten mit konkretem Themenfokus und/oder spezielle- ren Themenaspekten mit mittlerem Aufwand und häufigem Einsatz unterschiedlichster Gestaltungselemente. In diese Kategorie fallen beispielsweise derzeit: Erlebnis-Dokus, Zeitge-
schichte und -geschehen, z.B. ZDFzeit.

Kategorie 3: Hohes Budget über 250.000 €; Produktionslänge von 45 Minuten mit oftmals zeithistorischen Anknüpfungspunkten, weiten Themenstellungen sowie verstärktem Einsatz von unterschiedlichen, kreativen Gestaltungselementen, in der Regel prominenter Sendeplatz in der Prime Time. In diese Kategorie fallen beispielsweise derzeit: Terra X, Feiertags- und Sonderdokumentationen.


Vergütungen (exklusiver Vertrieb):

Das ZDF-Basishonorar beträgt für einen Nutzungszeitraum von 7 Jahren, beginnend mit Erstausstrahlung der Produktion, für Autoren- und Regieleistung jeweils für

Kategorie 1: 5.500,-- € netto
Kategorie 2: 8.000,-- € netto
Kategorie 3: 10.500,-- € netto

das heißt, für Autoren- und Regieleistung zusammen für

Kategorie 1: 11.000,-- € netto
Kategorie 2: 16.000,-- € netto
Kategorie 3: 21.000,-- € netto

In dem ZDF-Basishonorar enthalten ist ein Aufschlag von 4,5 % des Honorars für die öffentliche Zugänglichmachung (Online- Nutzung).

Für Anfänger, die die Voraussetzung einer erfahrenen, professionellen Praxis als Dokumentarfilmregisseur bzw. -autor nicht erfüllen, gilt ein in Kategorie 1 und 2 um jeweils 10 % reduziertes Basishonorar, in der Kategorie 3 ein um 20 % reduziertes Basishonorar.

1. Korb
Die Korbvergütung beträgt ab dem 8. Jahr ab Erstsendung für weitere 7 Jahre, für Autoren- und Regieleistung zusammen für
Kategorie 1: 3.000,-- € netto
Kategorie 2: 4.500,-- € netto
Kategorie 3: 6.000,-- € netto

2. Korb
Die Korbvergütung beträgt ab dem 15. Jahr ab Erstsendung bis zum Ende der Schutzfrist, für Autoren- und Regieleistung zusammen für
Kategorie 1: 1.800,-- € netto
Kategorie 2: 2.600,-- € netto
Kategorie 3: 3.400,-- € netto
In der jeweiligen Korbvergütung enthalten ist ein Aufschlag von 4,5 % des Honorars für die öffentliche Zugänglichmachung (Online-Nutzung).


Anhebung der bisherigen Vergütungssätze

Die bisher gezahlten Honorare an die für das ZDF bereits tätigen Dokumentarfilmer in ver- gleichbaren Produktionen werden im Einzelfall
wie folgt erhöht und bilden den 1. Korb:
a. Für Neuverträge ab Abschluss dieser gemeinsamen Vergütungsregelung plus 5 % bezogen auf das bisher gezahlte Honorar.
b. Für Neuverträge ab 1.1.2017 weitere 6 % auf den gesteigerten Satz von 2016.
c. Für Neuverträge ab 1.1.2018 weitere 3 % auf den gesteigerten Satz von 2017.

Anpassung der Vergütungssätze

Eine Anpassung der dargestellten ZDF-Basis- und Korb-Vergütungssätze kann erstmals ab 2018 erfolgen. Diesbezügliche Gespräche werden Mitte 2017 aufgenommen. Als Maßstab für eine etwaige Anpassung ist die Branchenüblichkeit heranzuziehen, insbesondere beim ZDF der Vergütungstarifvertrag für Freie Mitarbeiter (VTV) und bei der Produzentenallianz der Tarifvertrag für auf Produktionsdauer beschäftigte Film- und Fernsehschaffende (TV FFS), wobei im Zweifel auf den Durchschnitt abzustellen ist.

Kommerzielle Verwertung

Für den Vertrieb wird eine Erlösbeteiligung gezahlt in Höhe von je 4 % für Regie und für Buch (also insgesamt 8 %) von den bei ZDF- Enterprises bzw. beim ZDF im Falle von entgeltlichen Programmabgaben an ARTE eingehenden Brutto-Erlösen abzüglich nachgewiesener Synchronisationskosten.

 

Alle Fragen zu den neuen Vergütungsregeln mit dem ZDF erhalten Sie beim BVR-Justizariat.